Strategischer Jahresbericht Edelmetalle 2025 & Ausblick 2026: Die Rückkehr des Währungsschutzes in einer Ära der Volatilität

1. Exekutive Zusammenfassung: Ein historisches Jahr der Neubewertung

Mit dem Schließen der Handelsbücher am 31. Dezember 2025 blicken die globalen Finanzmärkte auf eines der bemerkenswertesten Jahre für den Edelmetallsektor in der modernen Wirtschaftsgeschichte zurück. Was wir in den vergangenen zwölf Monaten erlebt haben, ist nicht weniger als eine fundamentale Neubewertung von Geld und realen Vermögenswerten. Gold beendet das Jahr in der Nähe von 4.334 US-Dollar pro Unze, was einem Jahresgewinn von rund 65 % entspricht – die stärkste Performance seit über vier Jahrzehnten. Silber, das lange Zeit im Schatten seines großen Bruders stand, vollzog eine historische Renaissance und verzeichnete trotz einer scharfen Korrektur in den letzten Handelstagen einen Anstieg von rund 150 %, wobei es sich im Bereich von 70 bis 72 US-Dollar etablierte.

Das Jahr 2025 war geprägt von der Konvergenz dreier makroökonomischer Megatrends: der „Fiskaldominanz", bei der ausufernde Staatsschulden die Geldpolitik in Geiselhaft nehmen; einer aggressiven Deglobalisierung durch die protektionistische Handelspolitik der „Trump 2.0"-Administration; und einer akuten geopolitischen Fragmentierung, die den Status des US-Dollars als alleinige Reservewährung in Frage stellte. Diese Faktoren transformierten Gold von einem bloßen Portfolio-Diversifikator zu einem primären Instrument der Währungssicherung.

Dennoch endete das Jahr mit einem Warnschuss: Ein „Flash Crash" am 29. Dezember, ausgelöst durch koordinierte Margin-Erhöhungen der CME Group und verstärkt durch dünne Liquidität, ließ die Preise kurzzeitig einbrechen. Dieser Bericht analysiert, warum diese Korrektur eher als markttechnische Bereinigung denn als Trendwende zu verstehen ist. Mit Blick auf 2026 deuten institutionelle Prognosen und fundamentale Daten auf eine Fortsetzung des Bullenmarktes hin, mit potenziellen Kurszielen von über 5.000 US-Dollar für Gold und dreistelligen Preisen für Silber, sofern die strukturellen Defizite und die monetäre Expansion anhalten.

2. Makroökonomisches Umfeld 2025: Der perfekte Sturm für Sachwerte

Die Preisexplosion bei Edelmetallen im Jahr 2025 lässt sich nicht isoliert betrachten; sie ist das Symptom einer tiefgreifenden Verschiebung in der globalen Finanzarchitektur. Was zu Jahresbeginn noch als Hoffnung auf eine „weiche Landung" (Soft Landing) der Wirtschaft begann, mutierte schnell zu einem Szenario aus wiederkehrender Inflation und fiskalischer Rücksichtslosigkeit.

2.1 Das Scheitern traditioneller Sicherheitsanker

Historisch gesehen dienten US-Staatsanleihen (Treasuries) als der ultimative sichere Hafen in Krisenzeiten. Im Jahr 2025 wurde diese Korrelation jedoch empfindlich gestört. Angesichts einer US-Staatsverschuldung, die sich der Marke von 43 Billionen US-Dollar nähert, und eines explodierenden Haushaltsdefizits begannen Investoren, US-Schuldtitel zunehmend als Risikoquelle zu betrachten. Dieses Phänomen, bekannt als „Fiskaldominanz", zwang Kapital in harte Assets. Der Anteil von Gold an den globalen Währungsreserven hat sich seit der Finanzkrise 2008 nahezu verdreifacht, ein Trend, der sich 2025 massiv beschleunigte.

Insbesondere die Zentralbanken des Globalen Südens (BRICS+) diversifizierten aggressiv aus dem US-Dollar heraus, um sich gegen potenzielle Sanktionen und Währungsabwertungen zu immunisieren. Gold fungierte hierbei nicht mehr nur als Inflationsschutz, sondern als politisch neutrale Währungsreserve.

2.2 Der „Trump 2.0" Zoll-Schock und die Rückkehr der Inflation

Die Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus und die rasche Implementierung seiner protektionistischen Agenda wirkten wie ein Brandbeschleuniger für die Edelmetallpreise. Die Einführung globaler Zölle – 50 % auf Stahl, Aluminium und Kupfer sowie breite Abgaben auf Importe – signalisierte das endgültige Ende der Ära der Globalisierung, die seit den 1990er Jahren deflationär gewirkt hatte.

Die ökonomischen Implikationen waren unmittelbar und tiefgreifend:

  • Importierte Inflation: Die Kosten für Importgüter stiegen sprunghaft an, was die Inflationserwartungen entankerte. Unternehmen, die im dritten und vierten Quartal versuchten, Lagerbestände vor Inkrafttreten der Zölle aufzubauen („Frontloading"), verknappten Kapazitäten und trieben Preise weiter.

  • Währungskrieg: Während Zölle kurzfristig den Dollar stärken können, schürten sie langfristig die Angst vor kompetitiven Abwertungen. Nationen könnten versucht sein, ihre Währungen künstlich zu schwächen, um die Zollwirkungen zu kompensieren – ein „Race to the Bottom", in dem Gold der einzige Gewinner ist.

  • Strukturelle Ineffizienzen: Die Neuordnung globaler Lieferketten führt zu höheren Produktionskosten, die dauerhaft an die Verbraucher weitergegeben werden. Dies schafft eine strukturelle Inflation, die von der Zentralbank kaum mit Zinsanhebungen bekämpft werden kann.

2.3 Das Dilemma der Federal Reserve

Die Federal Reserve befand sich 2025 in einer Zwickmühle. Trotz einer Inflation, die „etwas erhöht" blieb, sah sich die Notenbank gezwungen, die Zinsen zu senken, um einen Kollaps des Arbeitsmarktes zu verhindern. Die Protokolle des FOMC-Treffens vom Dezember zeigten ein tief gespaltenes Komitee: Einige Mitglieder plädierten für eine Pause, um die inflationären Effekte der Zölle abzuwarten, während andere weitere Lockerungen forderten. Diese Ambivalenz – Zinssenkungen in eine steigende Inflation hinein – ist die Lehrbuchdefinition eines negativen Realzinsumfelds. Wenn die Inflation bei 4 % liegt und der Leitzins auf 3,5 % gesenkt wird, verlieren Barhalter real an Kaufkraft. Dies ist der stärkste fundamentale Treiber für unverzinsliche Anlagen wie Gold und Silber.

3. Goldmarkt-Analyse 2025: Der neue Standard

Gold hat im Jahr 2025 eine Performance hingelegt, die selbst optimistischste Prognosen übertraf. Vom Eröffnungskurs bei ca. 2.600 US-Dollar arbeitete sich das gelbe Metall methodisch nach oben, bis es Ende Dezember ein Allzeithoch von ca. 4.550 US-Dollar erreichte.

3.1 Preisentwicklung und Treiber

Der Anstieg war nicht von kurzfristiger Spekulation getrieben, sondern von strategischer Akkumulation.

  • Erstes Halbjahr: Die Preise stiegen stetig, getrieben von der Erwartung einer Zinswende der Fed.

  • Zweites Halbjahr: Mit der Einpreisung des „Trump Trade" und der Erkenntnis, dass die US-Fiskalpolitik außer Kontrolle geraten ist, beschleunigte sich die Rallye.

  • Jahresende: Geopolitische Eskalationen im Nahen Osten und der Ukraine sowie die Angst vor einer Entwertung des Fiat-Geldes führten zu einer parabolischen Bewegung im vierten Quartal. Zum Jahresschluss notierte Gold bei 4.334 US-Dollar, ein Plus von 63 % im Vergleich zum Vorjahr. Für Euro-Investoren war der Gewinn mit über 53 % ähnlich beeindruckend, was die Rolle von Gold als universellen Währungshedge unterstreicht.

3.2 Die Zentralbanken als „Whale" im Markt

Ein entscheidender Faktor für die Stabilität des Aufwärtstrends war das Kaufverhalten der Zentralbanken. Daten deuten darauf hin, dass der offizielle Sektor durchschnittlich 585 Tonnen pro Quartal aufnahm. Dies stellt eine strukturelle Verschiebung der Nachfrage dar. Zentralbanken wie die People's Bank of China (PBOC) kauften nicht preissensitiv, sondern strategisch. Ihr Ziel ist die Reduzierung der Abhängigkeit vom US-Dollar-System. Da diese Käufe motiviert sind durch nationale Sicherheit und Souveränität, bilden sie einen extrem soliden Boden für den Goldpreis.

3.3 Die Rückkehr der westlichen Investoren (ETF-Flüsse)

Lange Zeit war die Gold-Rallye ein Phänomen des Ostens. Doch 2025 kehrten westliche Investoren zurück. Die globalen Gold-ETFs verzeichneten Nettozuflüsse von ca. 484 Tonnen seit Jahresbeginn, der stärkste Wert seit 2009. Dies signalisiert einen Stimmungswandel bei institutionellen Anlegern und Vermögensverwaltern, die Gold nun wieder als unverzichtbaren Bestandteil einer „All-Weather"-Strategie betrachten.

4. Silbermarkt-Analyse: Das industrielle Erwachen

Wenn Gold der solide Anker war, so war Silber der explosive Wachstumsmotor des Jahres 2025. Mit einem Anstieg von rund 30 US-Dollar auf in der Spitze über 83 US-Dollar übertraf Silber die Performance von Gold bei weitem.

4.1 Die industrielle Superzyklus-Theorie

Silber profitiert von einer einzigartigen Doppelrolle als monetäres Metall und unverzichtbares Industriemetall.

  • Photovoltaik (PV): Die globale Energiewende verschlingt Silber in Rekordmengen. Neue Solarzellentechnologien wie TOPCon benötigen bis zu 50 % mehr Silber als ältere Generationen. Da China und Indien ihre Solarkapazitäten massiv ausbauen, lag die Nachfrage aus diesem Sektor allein bei geschätzten 230 Millionen Unzen.

  • Künstliche Intelligenz (KI) und Elektronik: Ein oft übersehener Treiber ist der Boom bei KI-Rechenzentren. Hochleistungschips und die Infrastruktur für 5G-Netze benötigen Silber aufgrund seiner unübertroffenen elektrischen Leitfähigkeit. Die explosive Expansion der KI-Infrastruktur im Jahr 2025 führte zu einer weiteren Verknappung.

4.2 Strukturelles Defizit und Lagerbestands-Kollaps

Der Silbermarkt befindet sich im fünften Jahr in Folge in einem tiefen strukturellen Defizit. Das Minenangebot stagniert aufgrund jahrelanger Unterinvestitionen, während die Nachfrage explodiert. Dies führte zu einem dramatischen Abbau der sichtbaren Lagerbestände:

  • Shanghai Futures Exchange (SHFE): Die Silbervorräte in Shanghai fielen auf ca. 715 Tonnen, ein Rückgang von 86 % gegenüber den Höchstständen von 2020.

  • Londoner Tresore: Massive Exporte nach Asien, insbesondere Indien, haben die Bestände in London erodieren lassen. Dies führte zu einer Situation, in der der westliche Markt physisch auszutrocknen drohte. Diese physische Knappheit manifestierte sich in Rekordprämien an der Börse in Shanghai, was einen Arbitrage-Handel auslöste, der Metall aus dem Westen abzog.

4.3 Die Aufholjagd zum Gold

Historisch gesehen tendiert Silber dazu, Gold in späten Phasen eines Bullenmarktes "outzuperformen". Das Gold-Silber-Ratio, das zu Jahresbeginn noch hoch war, kollabierte im Laufe des Jahres und fiel unter die Marke von 60. Dies ist eine klassische Mean-Reversion-Bewegung. Trotz der Korrektur am Jahresende deutet das Ratio darauf hin, dass Silber im Vergleich zu Gold immer noch Aufwärtspotenzial besitzt.

5. Das Liquiditätsereignis im Dezember: Anatomie eines Flash Crashs

Die letzte Handelswoche des Jahres 2025 wird vielen Marktteilnehmern in Erinnerung bleiben. Der dramatische Einbruch am 29. und 30. Dezember war jedoch kein fundamentaler Trendwechsel, sondern ein markttechnisches Ereignis.

5.1 Der Auslöser: CME Margin-Erhöhungen (Advisory 25-393)

Der primäre Katalysator für den Ausverkauf war regulatorischer Natur. Die CME Group, besorgt über die parabolischen Anstiege und die Volatilität, veröffentlichte am Freitag, den 26. Dezember, die "Advisory No. 25-393". Diese Maßnahme erhöhte die Initial Margin (Sicherheitsleistung) für Terminkontrakte drastisch:

  • Silber: Die Margin für den Standard-Kontrakt (5.000 Unzen) stieg von 22.000 auf 25.000 US-Dollar – ein Anstieg von fast 14 %.

  • Gold: Auch hier wurden die Anforderungen verschärft. Als diese neuen Regeln am Montag, den 29. Dezember, in Kraft traten, waren viele hoch gehebelte Spekulanten gezwungen, ihre Positionen sofort zu liquidieren, um den Nachschussforderungen (Margin Calls) nachzukommen. In einem feiertagsbedingt dünnen Markt löste dies eine Kaskade von Verkaufsorders aus.

5.2 Geopolitische Irritationen: Frieden vs. Eskalation

Verschärft wurde die Situation durch eine widersprüchliche Nachrichtenlage.

  • Das bärische Signal: Berichte über ein Treffen zwischen Donald Trump und Wolodymyr Selenskyj in Florida, bei dem ein Friedensplan angeblich zu "90 % vereinbart" sei, nahmen kurzzeitig die Kriegs-Prämie aus dem Goldpreis. Algorithmen interpretierten dies als Signal zum Verkauf.

  • Das bullische Gegensignal: Fast zeitgleich beschuldigte Russland die Ukraine eines Drohnenangriffs auf die Residenz von Präsident Putin. Der Kreml drohte mit einer "Härtung" seiner Position, was die Friedenshoffnungen sofort wieder dämpfte. Dieses Hin und Her sorgte für extreme Verunsicherung, doch der Margin-bedingte Verkaufsdruck überwog kurzzeitig.

  • Strategischer Jahresbericht Edelmetalle 2025 & Ausblick 2026: Die Rückkehr des Währungsschutzes in einer Ära der Volatilität

    5.3 Technische Bereinigung

    Trotz der Heftigkeit des Einbruchs – Silber verlor intraday 11 % – erfüllte der Crash eine gesunde Funktion. Der Markt war extrem überkauft (RSI > 80). Der Rücksetzer auf Unterstützungsniveaus (4.300 $ bei Gold, 70 $ bei Silber) bereinigte die überhitzte Stimmung und ermöglichte es institutionellem Kapital, zu attraktiveren Preisen wieder einzusteigen. Die schnelle Erholung am 30. Dezember (+8 % bei Silber) zeigt, dass das Kaufinteresse ungebrochen ist.

    6. Geopolitik als permanenter Preistreiber

    Auch im Jahr 2026 wird die Geopolitik eine dominante Rolle spielen. Die Weltordnung ist im Umbruch, und Gold profitiert von der Unsicherheit.

    6.1 Der Ukraine-Konflikt und das „Trump-Friedens-Paradoxon"

    Die Ankündigung von Donald Trump, den Ukraine-Krieg schnell beenden zu wollen, ist ein zweischneidiges Schwert für die Märkte.

    • Szenario Frieden: Ein Waffenstillstand könnte kurzzeitig den "Safe-Haven"-Status von Gold schwächen. Doch die Bedingungen eines solchen Friedens – vermutlich Gebietsabtretungen – könnten die Sicherheitsarchitektur Europas dauerhaft destabilisieren, was die Nachfrage nach Gold in Europa (insb. Polen, Deutschland) hochhalten würde.

    • Szenario Eskalation: Sollte der Kreml, wie nach dem angeblichen Drohnenangriff angedeutet, die Gespräche verweigern, könnte der Konflikt in eine noch heißere Phase eintreten, was Gold sofort wieder beflügeln würde.

    6.2 Spannungen im Nahen Osten

    Die Situation im Nahen Osten bleibt ein Pulverfass. Jede Ausweitung des Konflikts, die die Ölversorgung bedroht, würde über den Ölpreis direkt die Inflation anheizen und damit Gold stützen.

    6.3 Die BRICS-Allianz und De-Dollarisierung

    Die strategische Abkehr vom US-Dollar durch die BRICS-Staaten ist ein langsamer, aber unaufhaltsamer Prozess. Die Nutzung von Gold zur Abwicklung von Handelsbilanzen oder als Deckungsstock für neue Währungsmechanismen schafft eine permanente physische Nachfrage, die unabhängig vom tagesaktuellen Preis ist.

    7. Technische Analyse & Marktstruktur (Stand 31.12.2025)

    Die charttechnische Situation bleibt trotz der jüngsten Korrektur konstruktiv und deutet auf eine Fortsetzung des primären Aufwärtstrends hin.

    7.1 Gold (XAU/USD)

    • Aktueller Kurs: ~4.334 US-Dollar.

    • Unterstützung (Support): Die wichtigste kurzfristige Unterstützung liegt bei 4.300 US-Dollar. Ein Bruch dieser Marke könnte einen Test des 20-Tage-Durchschnitts (SMA) bei ca. 4.309 US-Dollar oder tiefer bei 3.924 US-Dollar (100-Tage-SMA) zur Folge haben. Solange der Preis über 4.300 hält, bleiben die Bullen im Vorteil.

    • Widerstand (Resistance): Das unmittelbare Hindernis ist das Allzeithoch bei 4.550 US-Dollar. Ein Ausbruch darüber eröffnet den Weg zur psychologisch massiven Marke von 5.000 US-Dollar.

    • Indikatoren: Der Relative-Stärke-Index (RSI) hat sich durch den Crash aus dem überkauften Bereich zurückgezogen, was Raum für neue Anstiege schafft. Chartmuster wie die „Sequential Nine" deuteten bereits vor der Korrektur auf eine Erschöpfung hin, die nun abgearbeitet scheint.

    7.2 Silber (XAG/USD)

    • Aktueller Kurs: ~72,50 US-Dollar.

    • Unterstützung: Die Marke von 70 US-Dollar muss halten. Darunter liegt bei 50 US-Dollar eine extrem starke Unterstützung (ehemaliges Allzeithoch), die als „Boden aus Stahl" fungieren sollte.

    • Widerstand: Die jüngsten Hochs bei 83 US-Dollar und darüber die „magische" Marke von 100 US-Dollar.

    • Chartmuster: Der Ausbruch über 50 US-Dollar im Jahr 2025 löste eine 40-jährige „Tasse-mit-Henkel"-Formation auf. Technisch lässt sich aus der Tiefe der Tasse ein langfristiges Ziel von über 100 US-Dollar ableiten.

    7.3 Gold-Silber-Ratio

    Das Ratio fiel im Jahresverlauf deutlich und notiert im Bereich von 60. Analysten erwarten, dass es im Laufe des Jahres 2026 die Marke von 40 testen könnte. Sollte Gold auf 5.000 steigen und das Ratio auf 40 fallen, entspräche dies einem Silberpreis von 125 US-Dollar.

    8. Ausblick 2026: Prognosen und Szenarien

    Der Konsens unter den großen Finanzinstituten für 2026 ist eindeutig bullisch, wenngleich mit erhöhter Volatilität gerechnet wird.

    8.1 Institutionelle Preisziele und Prognosen

Institution Gold Kursziel (2026) Silber Kursziel (2026) Begründung / Treiber
UBS 5.000 $ - 5.400 $ Outperformance vs. Gold US-Politikrisiken, niedrige Realzinsen, Fiskaldruck.
JP Morgan 5.000 $ Bullisch Zentralbankkäufe (585t/Quartal), ETF-Zuflüsse, Währungsabsicherung.
Goldman Sachs 4.000 $ + -- Strukturelle Zentralbanknachfrage, Fed-Lockerung.
Société Générale Bullisch 100 $ + Historische Rallye-Fortsetzung, industrielle Defizite.
Robert Kiyosaki -- 100 $ - 200 $ "Silber-Blase" durch Fiat-Kollaps, Hyperinflation.

Die Prognosen reflektieren die Erwartung, dass die fundamentalen Treiber (Schulden, Zölle, Knappheit) auch 2026 dominieren werden. UBS sieht insbesondere in der zweiten Jahreshälfte 2026 Potenzial bis 5.400 US-Dollar, sollte sich die politische Lage in den USA weiter zuspitzen.

8.2 Szenario-Planung 2026

Szenario A: „Reflation und Stagnation" (Basis-Szenario, Wahrscheinlichkeit 60%)

  • Umfeld: Die Inflation pendelt sich bei 4–5 % ein, getrieben durch Zölle. Die Fed senkt die Zinsen nur langsam. Das Wachstum stagniert (Stagflation).

  • Auswirkung: Gold steigt stetig in Richtung 5.000 US-Dollar, da Realzinsen negativ bleiben. Silber profitiert von der Flucht in Sachwerte.

Szenario B: „Der System-Schock" (Bull-Szenario, Wahrscheinlichkeit 25%)

  • Umfeld: Die Fed verliert die Kontrolle über den Anleihemarkt und muss zur „Yield Curve Control" (YCC) greifen, um die Zinsen unten zu halten. Inflation explodiert zweistellig. Geopolitische Eskalation blockiert Ölrouten.

  • Auswirkung: Panikkäufe. Gold könnte parabolisch auf 6.000 US-Dollar oder mehr steigen. Silber könnte aufgrund von physischer Nicht-Verfügbarkeit („Cornering") extreme Preise von 150 US-Dollar erreichen.

Szenario C: „Deflationärer Crash" (Bear-Szenario, Wahrscheinlichkeit 15%)

  • Umfeld: Die Zölle würgen den Welthandel komplett ab, eine tiefe Rezession folgt. Aktienmärkte kollabieren um 30–40 %.

  • Auswirkung: Alles wird verkauft, um Liquidität zu generieren (Cash is King). Gold fällt kurzfristig auf 3.500 US-Dollar zurück, bevor es sich als erstes Asset erholt, wenn die Zentralbanken mit massiven Stimuli reagieren.

9. Fazit: Der monetäre Neustart

Die Analyse der Gold- und Silbermärkte zum Jahresende 2025 führt zu einer klaren Schlussfolgerung: Wir befinden uns in der mittleren Phase eines säkularen Bullenmarktes. Die Faktoren, die die Rallye 2025 antrieben – Schuldenexzesse, Währungsabwertung und geopolitische Zerrüttung – sind struktureller Natur und werden nicht kurzfristig verschwinden.

Der jüngste Preisrücksetzer Ende Dezember war ein markttechnisches Ereignis, keine fundamentale Trendwende. Er bereinigte den Markt von übermäßigem Hebel und schuf eine gesündere Basis für das Jahr 2026. Für strategische Investoren bietet die aktuelle Volatilität Chancen. In einer Welt, in der 50 % Zölle und 43 Billionen Dollar Schulden die neue Normalität sind, ist der Besitz von physischen Edelmetallen keine Spekulation mehr, sondern eine Notwendigkeit der Vermögenssicherung.

Die Kursziele von 5.000 US-Dollar für Gold und 100 US-Dollar für Silber sind keine bloßen Wunschträume, sondern die logische Konsequenz der aktuellen geldpolitischen Realität.

Detaillierte Sektor-Analyse und Hintergrundinformationen

Im Folgenden werden spezifische Aspekte der Analyse vertieft, um ein umfassendes Verständnis der Marktdynamiken zu gewährleisten.

10. Vertiefung: Die Rolle der Fiskaldominanz und Inflation

Der Begriff "Fiskaldominanz" beschreibt einen Zustand, in dem die Geldpolitik der Zentralbank faktisch der Fiskalpolitik der Regierung untergeordnet ist. Mit einer US-Staatsverschuldung, die sich der 43-Billionen-Marke nähert, sind die Zinszahlungen auf diese Schulden zu einem der größten Posten im US-Haushalt geworden. Eine aggressive Zinsanhebung zur Inflationsbekämpfung (wie in den 1980er Jahren unter Paul Volcker) ist mathematisch unmöglich geworden, da sie die Solvenz des Staates gefährden würde. Dies zwingt die Fed dazu, eine höhere Inflation zu tolerieren, um die Schuldenlast real zu entwerten ("Financial Repression"). Für Goldinvestoren ist dies das ideale Umfeld: Die Zinsen bleiben künstlich niedrig, während die Inflation läuft – der Realzins bleibt tief negativ.

11. Vertiefung: Die industrielle Silber-Knappheit

Die Knappheit bei Silber ist real und messbar. Die Solarindustrie hat sich technologisch weiterentwickelt. Ältere PERC-Zellen werden durch TOPCon- und HJT-Zellen ersetzt. Diese neuen Technologien sind effizienter, benötigen aber deutlich mehr Silberpaste für die Leitfähigkeit. Gleichzeitig ist das Minenangebot "unelastisch". Da ca. 70-80 % des Silbers als Beiprodukt (von Kupfer-, Blei- oder Zinkminen) gefördert werden, können Minenbetreiber die Produktion nicht einfach hochfahren, nur weil der Silberpreis steigt. Sie sind abhängig von der Nachfrage nach den Hauptmetallen. Diese Diskrepanz zwischen explodierender Hightech-Nachfrage und starrem Angebot ist der Kern der bullischen Silber-These für 2026.

12. Vertiefung: Der indische Markt als Preisstütze

Ein oft unterschätzter Faktor ist der indische Markt. Indien ist einer der größten Silberimporteure der Welt. Im Jahr 2025 sahen wir massive Importe, da indische Investoren und die Industrie (angetrieben durch staatliche Solar-Initiativen) Bestände aufbauten. Die Korrelation zwischen dem Preisverfall an der MCX (Multi Commodity Exchange of India) und den globalen Preisen zeigt, wie vernetzt diese Märkte sind. Der Einbruch am 31. Dezember an der MCX (ca. 15.000 Rupien pro kg Verlust) spiegelte die globalen Margin-Hikes wider, bot aber lokalen Käufern sofortige Einstiegschancen.

13. Übersicht der ökonomischen Datenpunkte (Januar 2026)

Für den Start ins neue Jahr sollten Investoren folgende Termine im Blick behalten, da sie die kurzfristige Volatilität beeinflussen können:

  • 02. Januar 2026: ISM Manufacturing PMI – Ein Indikator für die industrielle Gesundheit und mögliche Rezessionsrisiken.

  • 07. Januar 2026: Veröffentlichung der FOMC-Protokolle (Minutes) – Diese werden Aufschluss darüber geben, wie stark die Fraktion der "Zins-Pausierer" innerhalb der Fed wirklich ist.

  • 09. Januar 2026: US-Arbeitsmarktdaten (Non-Farm Payrolls) – Ein starker Arbeitsmarkt könnte der Fed Spielraum für eine straffere Politik geben, was kurzfristig negativ für Gold wäre.

  • 13. Januar 2026: US-Verbraucherpreisindex (CPI) – Der wichtigste Datenpunkt zur Bestätigung der Inflationsdynamik.

Daten-Quellenverzeichnis: Die in diesem Bericht verwendeten Daten basieren auf Marktinformationen und Analysen zum Stand 31.12.2025. Referenzen: bis. Ende des Berichts.

Quellenangaben

  1. Gold - Price - Chart - Historical Data - News - Trading Economics

  2. Silver prices surge sharply at the end of 2025 – Société Générale

  3. What is the silver price forecast for 2026? - CBS News

  4. Gold & silver price prediction: Where are gold & silver headed in 2026? Here's the outlook

  5. The Regulatory Hammer: Why Raised Margin Requirements Are Cooling the 2025 Precious Metals Fever

  6. A new high? | Gold price predictions from J.P. Morgan Global Research

  7. Silver Price Forecast – Breakout Momentum and Fed Liquidity Set Stage for $100 Test in 2026

  8. Gold, silver show dazzle in 2025, but rally far from over as 2026 outlook remains firm

  9. Presidential 2025 Tariff Actions: Timeline and Status | Congress.gov

  10. Trump launched global tariff wars in 2025. Here's a recap of his trade actions this year

  11. Tariffs, strikes and tragedies: How 2025 transformed supply chains

  12. Minutes: FOMC takes wait-and-see approach to future rate cuts

  13. Fed officials divided over December rate cut, meeting minutes show

  14. Gold Price Forecast: XAU/USD holds above $4,300 after profit taking ...

  15. Gold Price Forecast & Predictions for 2025, 2026, 2027–2030 and Beyond - LiteFinance

  16. Gold Price Europe

  17. Gold Is Forecast to Rise 6% by the Middle of 2026 | Goldman Sachs

  18. Is Now the Best Time to Buy Silver? [Silver 2025–2030 Forecasts] - GoldSilver

  19. Gold, silver bets shift ahead of 2026

  20. Gold price prediction today: What's the outlook for gold, silver prices in the coming days? What you should know - The Times of India

  21. Gold Silver Ratio Charts - 5 Years - BullionByPost.com

  22. TO: FROM: Clearing Member Firms Chief Financial Officers Back Office Managers Margin Managers SUBJECT: DATE: Friday, December 26 - CME Group

  23. Silver and gold futures slide after CME raises margin requirements

  24. Trump and Zelenskyy meet in Florida – as it happened

  25. Explained: 6 reasons why silver prices crashed by Rs 21,000 per kg in 1 day

  26. Russian Offensive Campaign Assessment, December 30, 2025 - Institute for the Study of War

  27. Was Putin at residence during 'drone attack'? Kremlin responds; Ukraine says no 'plausible evidence'

  28. What's driving the rollercoaster in gold and silver prices?

  29. Gold Technical Analysis: Chart Patterns and Market Insights - Discovery Alert

  30. Silver's year-end shock: Rs 15,000 crash signals volatility ahead for traders

  31. Silver prices crash by Rs 15,000 on last trading day of 2025. What should traders do?

  32. Economic Indicator Release Schedule: List View - U.S. Census Bureau

  33. Economic Indicators Calendar - FEDERAL RESERVE BANK of NEW YORK

  34. Time.gov

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