Die unbequeme Wahrheit: Warum die Rente – und der Staat – nicht sicher sind

„Die Rente ist sicher“ – dieser Satz gehört zu den größten politischen Beruhigungsformeln der letzten Jahrzehnte.

Doch ein nüchterner Blick auf Zahlen, Demografie und Staatsfinanzen zeigt: Nicht nur die Rente ist es nicht. Auch zentrale staatliche Funktionen stehen vor massiven Verwerfungen. Infrastruktur, Verteidigung, soziale Sicherung – nichts davon ist langfristig abgesichert.

Diese Einschätzung beruht nicht auf pessimistischen Szenarien, sondern auf konservativen, vorsichtigen Annahmen und öffentlich zugänglichen Daten. Die demografische Realität trifft Deutschland mit voller Wucht – und zwar bereits in wenigen Jahren.

Der finanzielle Kipppunkt ab 2030

Bis zum Jahr 2031 gehen in Deutschland rund zehn Millionen Babyboomer in Rente. Schätzungsweise acht Millionen von ihnen sind derzeit sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Genau hier liegt das Kernproblem.

Ein durchschnittlich beschäftigter Babyboomer verdient rund 4.000 Euro brutto im Monat, also etwa 50.000 Euro im Jahr. Rechnet man Lohnsteuer, Sozialabgaben und Arbeitgeberanteile zusammen, fließen pro Person jährlich etwa 25.000 Euro in die öffentlichen Kassen. Der Staat nimmt also an jedem beschäftigten Babyboomer im Schnitt 25.000 Euro pro Jahr ein.

Wenn acht Millionen dieser Menschen aus dem Erwerbsleben ausscheiden, fehlen der öffentlichen Hand damit rund 200 Milliarden Euro pro Jahr – allein durch wegfallende Einnahmen.

Vom Zahler zum Empfänger

Doch damit nicht genug. Die ehemaligen Beitragszahler werden nun zu Leistungsempfängern. Die tatsächliche Durchschnittsrente wird dabei nicht – wie politisch oft suggeriert – bei 48 Prozent des letzten Nettoeinkommens liegen. Realistisch sind eher 40 bis 42 Prozent, unter anderem aufgrund lückenhafter Erwerbsbiografien und fehlender Rentenpunkte.

Bei einem letzten Nettoeinkommen von etwa 2.000 bis 2.400 Euro monatlich ergibt sich eine Rente von rund 900 bis 1.000 Euro im Monat, also etwa 10.000 bis 12.000 Euro jährlich. Für acht Millionen Rentner bedeutet das zusätzliche staatliche Ausgaben von rund 90 Milliarden Euro pro Jahr.

Hinzu kommen weitere Milliarden für Wohngeld, Grundsicherung, Pflegezuschüsse und andere Aufstockungsleistungen, da viele Renten nicht existenzsichernd sein werden. Diese Kosten sind in dieser Rechnung noch nicht einmal enthalten.

Eine strukturelle Lücke ohne Ausweg

Allein aus diesen beiden Effekten ergibt sich bis 2031 eine jährliche Finanzierungslücke von rund 290 Milliarden Euro:

  • 200 Milliarden Euro weniger Einnahmen

  • plus 90 Milliarden Euro zusätzliche Rentenausgaben

Selbst wenn man konservativ rechnet und nur von 250 Milliarden Euro ausgeht, entspricht das rund 24 Prozent des gesamten deutschen Steueraufkommens.

Diese Lücke lässt sich nicht durch Wirtschaftswachstum schließen. Das deutsche Bruttoinlandsprodukt stagniert seit Jahren. Der geringe nominale Zuwachs ist vor allem auf massiv steigende Staatsausgaben zurückzuführen – nicht auf echte Produktivitätsgewinne.

Ein entscheidender Punkt wird dabei oft übersehen: Sämtliche Staatsausgaben fließen in das BIP ein, unabhängig davon, ob sie tatsächlich wirtschaftliche Wertschöpfung erzeugen. Neue Stellen im öffentlichen Dienst, steigende Beamtengehälter oder staatliche Beschaffungen werden statistisch als „Leistung“ gewertet – auch wenn sie keinen nachhaltigen Wohlstand schaffen.

Die zweite Welle kommt noch

Zwischen 2031 und 2035 gehen weitere fünf bis sechs Millionen Babyboomer in Rente. Umgerechnet bedeutet das zusätzliche Mindereinnahmen und Mehrausgaben von rund 180 Milliarden Euro pro Jahr. In Summe läge die Differenz dann bei 400 bis 450 Milliarden Euro jährlich – zusätzlich zu heutigen Belastungen.

Das entspricht etwa 40 Prozent der gesamten Staatseinnahmen Deutschlands.

Die Konsequenzen sind absehbar: jährliche Neuverschuldung von 300 bis 400 Milliarden Euro, explodierende Zinslasten von 80 bis 100 Milliarden Euro pro Jahr und ein Staatsapparat, der zunehmend nur noch sich selbst finanziert.

Keine kosmetischen Lösungen mehr

Vor diesem Hintergrund sind politische Debatten über ein paar Prozentpunkte beim Rentenniveau, neue Begriffe für Sozialleistungen oder moderate Beitragserhöhungen reine Symbolpolitik. Sie ändern nichts am strukturellen Problem.

Es gibt keinen Plan B.

Entweder der Staat verschuldet sich immer weiter, kürzt massiv Leistungen oder riskiert Inflation, Verarmung breiter Bevölkerungsschichten und soziale Unruhen.

Die demografische Rechnung ist unerbittlich.
Und sie geht nicht mehr auf.

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